Open-Source Datenbanken im Kommen
(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)
Jürgen Klodzinski, IT-Manager bei den PUK-Werken, entschied sich bei seiner ERP-Anwendung nach eingehender Prüfung für eine Open-Source-Datenbank.
GÜNSTIGE KOSTEN
Ganz klar punktet MySQL bei den Preisen. Die Open-Source-Nutzung ist kostenfrei, was anfällt sind allerdings Support-Zahlungen. Bei der Kauf-Lizenz liegt der Preis deutlich unter dem einer Oracle-, SQL-Server- oder DB2-Datenbank. Wichtiger als Lizenzgebühren sind bei der langen Lebensdauer von Datenbankapplikationen die Betriebskosten. Open-Source-Datenbanken weisen eine geringere Komplexität auf, sind daher einfacher zu administrieren und brauchen weniger Hardware-Ressourcen, sagen Analysten.
Umgekehrt sind die kommerziellen Marktführer unbestritten im Vorteil, wenn es um Funktionsreichtum und große Lasten geht. Zu den Funktionsbeschränkungen zählt etwa, dass es sich bei MySQL um ein rein relationales System handelt, während die kommerzielle Konkurrenz seit Jahren objekt-relational agieren kann. Arnö räumt ein, dass sich MySQL bisher nur eingeschränkt für Unternehmensanwendungen wie SAP-Applikationen für das Enterprise Resource Planning (ERP) eigne. Doch das ändere sich gerade. Demnächst werde das Beta-Release der Version 5.0 verfügbar sein, im Juni dann das Produktions-Release. Dieses Upgrade werde dann die benötigte Unterstützung von Stored Procedures bieten, von Triggern und Views.
Tatsächlich sieht es danach aus, als könnten sich Open-Source-Datenbanken demnächst auch bei geschäftskritischen Unternehmensapplikationen ausbreiten. Zunächst wurden solche Datenbanken hauptsächlich für reine Web- oder für Embedded-Applikationen eingesetzt. Solche Anwendungen entstanden abseits der Unternehmens-IT und sollten wenig kosten. MySQL wurde Bestandteil der Open-Source-Quadriga LAMP. L steht hier für das quelloffene Betriebssystem Linux, A für den frei verfügbaren Applikationsserver Apache, M für die Datenbank MySQL und P wahlweise für die Skriptsprachen PHP, Perl oder Python.
Der Fachbereich Kreditrisikosteuerung in der HypoVereinsbank (HVB) beispielsweise fand das Quartett verführerisch. Die erste Anwendung, die 2002 auf dieser Basis entstand, war VorDok, eine kleine Intranet-Applikation. Sie dient dazu, die Schritte bei Kreditentscheidungen im Fachbereich zu dokumentieren und mit einem Status zu versehen, so dass sich die Prozesse nachvollziehen und auswerten lassen. LAMP-Know-how hatten einzelne Projektmitarbeiter schon. Zudem konnte das Team ohne große Lizenzverhandlungen loslegen, da die Software per Download verfügbar war. Heute beruht der Erfolg auch auf der Nutzerfreundlichkeit, Datenqualität und kurzen Entwicklungszeiten der Open-Source-Datenbank. Das bescheinigt Dr. Philipp Brune, der bei der Group Credit Risk Control der HVB für die Applikation verantwortlich ist.
Die positive Resonanz sorgte bald für Folgeprojekte. Derzeit arbeitet Brune bereits an der fünften Applikation, Porthos genannt. Das Projekt mit dem Namen des Musketiers dient dem Aufbau einer Datenbank für das Kreditreporting des gesamten Konzerns. Daten aus allen HVB-Töchtern sollen hier gesammelt werden. Das erfordert laut Brune hohe Standards im Datenqualitätsmanagement und eine mehrstufige Berechtigungssteuerung. Außerdem übernimmt die Anwendung das Laden der Daten, die interaktive Bearbeitung und die Freigabe sowie Teile der Risikoanalyse.
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