Home » Panorama
24.05.2007

Übertragung von Finanzdaten – webbasiert und sicher

von Jürgen Höfling

Übertragung von Finanzdaten – webbasiert und sicher Mit einem webbasierten sicheren Dateiübertragungssystem geht die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream auch auf die Bedürfnisse ­kleinerer Maklerbüros und regionaler Bankfilialen ein, ohne dass Sicherheit, Übersichtlichkeit und vorschriftsmäßige Abwicklung leiden.

Bei der Abrechnung und Verwaltung großer Wertpapierposten dürfen keine Pannen passieren. Alles muss bis auf die letzte Zehntel- oder Hundertstelstelle korrekt sein und vor allem muss die Korrektheit auch jederzeit gegenüber den Aufsichtsbehörden einerseits und Bank- und Maklerkunden andererseits nachweisbar sein. Über einfache FTP-Server-Nachrichten oder gar Mail-Anhänge lassen sich solche Dokumente nicht austauschen. Gleichwohl muss es gerade für kleinere Kunden – Maklerbüros oder regionale Filialen von Banken – Lösungen geben, die an deren IT-technische und personelle Kapazitäten angepasst sind. Die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream in Luxemburg hat es sich deshalb bei der Auswahl eines IP-orientierten Verrechnung- und Übertragungssystems nicht leicht gemacht, sagt Clive Cherry, Director Consultancy Services von Clearstream in Luxemburg.

Clearstream-Zentrale in Luxemburg.

PKI-basierter FTP- und HTTP-Transfer Clearstream hat rund 2500 Kunden weltweit und rund 150 000 Wertpapiere zum Handeln und Aufbewahren. Das Kerngeschäft der Deutschen-Börse-Tochter besteht im sicheren und schnellen Transport von Wertpapieren und Geldtransferaufträgen zwischen den einzelnen Kunden. Diese müssen zu jeder Zeit einen Überblick haben über die Rechte und Verpflichtungen, die sich aus den Wertpapieren, die Clearstream für sie aufbewahrt, ergeben. Die täglichen Kommunikationsprozesse umfassen zum einen den Transfer von umfangreichen Auftragsdateien großer Banken und Investmentfonds an Clearstream und zum anderen Statusberichte von Clearstream an die Kunden über getätigte Transaktionen. Der gängige Verteilweg für größere Kunden ist SWIFTnet, einige wenige Kunden nutzen nach Aussage von Clive Cherry auch Sterling ConnectDirect. Bei beiden Lösungen muss eine spezielle Software auf die entsprechenden kundenseitigen Rechner aufgespielt werden. Für kleinere Kunden sind beide Lösungen zu unhandlich. Für kleine Maklerbüros und Bankfilialen sind webbasierte Übertragungslösungen, die allein über den Browser funktionieren, natürlich ideal. Mit der SecureTransportPlatform von Tumbleweed hat Clearstream genau solch eine ­Lösung gefunden. »SecureTransport ist sowohl für FTP als auch für http ausgelegt und wir mussten auch nicht unsere existierende PKI (Public Key Infra­structure) ändern, als wir über unsere auf der Tumbleweed-Plattform aufbauende Lösung CreationDirect den Datentransfer über das Internet installierten«, sagt Clive Cherry. SecurePlatform über FTP oder http sei eine sichere und einfach zu handhabende Alternative zu einem VPN oder zu Mietleitungen.

Lesbare Listen Der Nachrichtenaustausch zwischen dem Wertpapierabwicklungs- und Verwahrunternehmen Clearstream und seinen großen und kleinen Kunden ist bis ins letzte Byte hinein standardisiert. In der ISO-Norm MT535 sind die Austauschformate festgelegt. In SWIFTnet sind diese Formate absolut kryptisch gehalten, weil sie zur Weiterverarbeitung durch die Rechner im Hintergrund bestimmt sind und in dieser Phase gar nicht durch menschliche Sinne interpretierbar sein müssen. Bei den kleineren Kunden sind die Prozesse längst nicht so automatisiert, sodass die Ausdrucke nach dem MT535-Format dechiffriert werden. Die SecureTransportPlatform imitiert quasi das ISO-Format und transformiert es in XML- und PDF-Dateien (siehe auf Seite 16 die beiden Formate im Vergleich). Durch den Internet-Dateidienst CreationDirect auf der Basis der Tumbleweed-Plattform stellt Clearstream auch seine kleineren Kunden auf eine ähnliche »Komfortstufe« wie seine Großkunden. Sie haben einen sicheren Zugang zu allen wichtigen Unterlagen in Echtzeit und direkt auf ihrem Arbeitsplatzrechner, zum Beispiel zeitnahe Listen aller Abrechnungen und aller verwahrten Papiere. CreationDirect bindet mittlerweile über 2000 Anwender in über 450 Unternehmen an Clearstream an. Das Spektrum reicht von kleineren Maklerbüros über die regionalen Filialen von größeren Unternehmen bis hin zu Abteilungen in Großunternehmen, die ihnen zugeordnete kleinere Abteilungen mit leicht lesbaren Berichten zur gegenseitigen Abstimmung versorgen wollen.

Leserkommentare

Die Leserkommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.

Tipp der Redaktion

Bild zu "HP schrumpft sein Container-Datencenter"

HP schrumpft sein Container-Datencenter

Eine halb so große Version seines Datencenters im Container hat Hewlett-Packard vorgestellt. Das »Performance-Optimized Datacenter« (POD) lässt sich Behältern von 20 Fuß Länge unterbringen.

Bild zu "Richtige Weichenstellungen für sichere Clouds"

Richtige Weichenstellungen für sichere Clouds

Cloud Computing wird dieses Jahr zu einem wichtigen Thema, um das kaum ein IT-Verantwortlicher herumkommen wird. Doch oft bremsen noch Ängste ob der Sicherheit in den Wolken eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten der neuen Technologie für das eigene Unternehmen. Eine solide Strategie für die eigenen Wolken-Pläne ist deshalb unumgänglich.

SOA

SOA als Pflichtprogramm

Die IT bei Finanzdienstleistern ist immer noch zu weit vom Geschäft weg. InformationWeek-Chefredakteur Markus Bereszewski sprach mit Thomas Lipinski über den Nachholbedarf der Finanzdienstleister.

Service Delivery

Seit 2003 diskutieren wir das Thema SOA. Bei der Umsetzung in den Unternehmen ist man inzwischen nach den ersten Fragen zu Methoden und Technologien bei den Fragen zur Organisation angekommen. Wie aber geht es mit dem Thema SOA nun weiter, oder was kommt nach SOA?

InformationWeek SOA

Von Grundlagen über Fallbeispiele bis Expertenrat: Alles Rund um serviceorientierte Architektur (SOA) finden Sie in unserem SOA-Bereich mit SOA-Blog.